Gesellschaft / Kunst & Kultur / Politik / Weltgeschehen

„Die Geschichte wiederholt sich nicht, sie reimt sich.“ (angeblich Mark Twain)

Was bedeutet dieses Zitat eigentlich? Wie ist dieses Zitat entstanden und von wem ist dieses Zitat? Hat der Autor recht oder unrecht? Was heißt es dann für uns?

Erstmal müssen wir klären, wer Mark Twain überhaupt ist. Mark Twain ist ein bedeutender amerikanischer Schriftsteller (1835–1910). Bekannt ist er auch als Vater der amerikanischen Literatur. Er veröffentlichte berühmte Romane wie Die Abenteuer des Tom Sayer (1876) oder auch Die Abenteuer des Huckleberry Finn (1884). In seinen Romanen kritisiert er Rassismus, Sklaverei und soziale Ungerechtigkeit in den USA. Dabei nutzt er Ironie und seine scharfe Beobachtungsgabe, um seinen Lesern humorvoll den Spiegel vorzuhalten. Er nutzt dabei psychologische Taktiken. Dazu gehört etwa das „sokratische Prinzip“. Dabei stellt man gezielt Fragen um den Denkfehler aufzudecken. Eine andere Taktik ist das „Reforming“. Darunter versteht man das man ernste Themen in harmlose Lebensgeschichten reinpackt.

Im Titel heißt es „angeblich Mark Twain“, denn es wird oft fälschlicherweise Mark Twain zugesprochen, obwohl es ein Phantom-Zitat ist. Aber Mark Twain hat die intellektuelle Basis für dieses Zitat gestellt. In dem Roman The Gilded Age“ (1874), den er mit Charles Dudeley Warner verfasst hat, schreiben sie Folgendes: „Die Geschichte wiederholt sich nie, aber die kaleidoskopischen Kombinationen der dargestellten Gegenwart scheinen oft aus den zerbrochenen Fragmenten antiker Legenden konstruiert zu sein.“ In den 1960er und 70er Jahren taucht das Zitat bis auf die Metapher genau auf. Der kanadische Historiker und Regierungsberater James Eayres hat den Satz 1965 in einem Zeitungsartikel über den Vietnamkrieg benutzt. Im Jahr 1975 fasste James den Satz in seinem Buch Diplomancy and its discountis ab. Er behauptet es stamme von Mark Twain.

Doch was bedeutet dieses Zitat? Mit dem Zitat drück man aus, dass ein historisches Ereignis niemals ganz gleich abläuft, aber grundlegende menschliche Verhaltensmuster und Strukturen immer dieselben bleiben. Der Abschnitt „es reimt sich“ deutet an, dass die Jahreszahlen und Motive zwar anders sind, aber die psychologischen Muster und Warnsignale gleichbleiben.

Es gibt dafür auch historische Beispiele: 1812 marschierte Napoleon mit der größten Armee seiner Zeit nach Russland. Er unterschätzte das Klima und die russische Taktik. Seine Armee verhungerte und erfror, so dass ein Rückzug notwendig wurde. 1941 marschierte Adolf Hitler mit der Wehrmacht in die Sowjetunion ein. Alle meinten, Hitler wäre zu der Zeit moderner und schneller. Aber das Ergebnis war gleich. Man kann also daraus folgern, dass die Muster sich wiederholen: Der Reim lautet in diesem Fall „militärischer Hochmut und Arroganz“.

Ein anderes Beispiel ist die Suche nach dem Sündenbock. Im 15. und 16. Jahrhundert waren Krankheiten, Missernten und Hungersnöte weit verbreitet. Daraufhin hat man sich Sündenböcke gesucht und das waren die Hexen. Dadurch kam es zur Hexenverfolgung. Viel später in den 1930er Jahren begann die Weltwirtschaftskrise, unter der die Deutschen nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg besonders zu kämpfen hatten. Daraufhin hat man sich auch einen Sündenbock gesucht. Das waren die Juden. Es ist natürlich nicht das gleiche, die Umstände sind anders. Aber die Reaktion, die Suche nach dem Sündenbock ist gleich.

Natürlich muss man Twains Zitat auch hinterfragen. Die Technologie veränderte sich zum Beispiel während der industriellen Revolution drastisch, neue Lebensumstände und Wertvorstellungen treten auf und die Globalisierung beginnt. Wenn früher ein Krieg stattgefunden hat, wussten nicht unbedingt alle, dass der Krieg da war. So gab es zum Beispiel noch keine Möglichkeiten, Nachrichten so schnell zu verbreiten, als das römische Reich zerfiel. Erst später mit dem Buchdruck konnten sich Informationen schneller und besser verbreiten, wie man bei der Reformation, Napoleons Fall und den beiden Weltkriegen sehen kann. Grob gesagt ist die Möglichkeit der Verbreitung von Informationen also der „Reim“.

Ein weiterer Aspekt ist die Wertevorstellung, die sich durch die Zeit verändert hat. Doch da ist auch die Frage, wie man die Werte je nach Kultur und Zeit sah. Klar ist aber, dass für die eigenen Werte immer schon hart gekämpft wurde. Doch das war für die Elite häufig mit Machtpolitik vermischt.

Doch was heißt dieses Zitat für uns? Ist es richtig oder falsch? Das kann man nur für sich selbst beantworten! Denn wie bei vielen Aspekten der Geschichte gibt es kein richtig oder falsch. In der Geschichte gibt es immer ein „Aber“. Falls es für heute stimmt, kann man dieses ausnutzen und heutige politische Situationen und Reaktionen besser einschätzen und hinterfragen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert