Kunst & Kultur / Literatur

Die verlassene Villa

Hugo war aufgeregt. Morgen war Halloween, und dieses Jahr hatte er sich etwas ganz besonderes überlegt. Bereits seit zwei Wochen abeitete er an einer Kürbis-Maske mit leuchtenden Augen. Mit dieser Maske würde er am meisten Süßigkeiten bekommen, da war er sich sicher. Zusätzlich wollte er einen schwarzen, zerfetzten Mantel tragen.
Endlich war es so weit. An der Haustür warteten schon seine zwei Freunde Fred und Hans. Fred trug eine Skelett-Maske und Hans ein Zombie-Maske.
„Seid ihr bereit?“, fragte Hugo seine beiden Freunde.
„Aber sicher! Lasst uns losgehen“, meinte Fred.
Ihr erster Halt verlief einwandfrei und sie bekamen viele Süßigkeiten, doch bereits an der zweiten Station hatten sie Pech, denn niemand öffnete ihnen die Tür.
„Man kann ja nicht überall Glück haben“, sagte Hans, doch sehr glücklich war auch er nicht. Bereits nach einer Stunde waren ihre Süßigkeiten-Säcke prall gefüllt. Ihre letzte Station war eine große, heruntergekommene Villa.
„Sollen wir hier wirklich klopfen?“ Hugo war verunsichert. „Ich mein ja nur… Es sieht nicht gerade einladend aus.“
Fred winkte ab: „Ach komm, das sind bestimmt ganz nette Leute. Die haben sich bestimmt einfach nur Mühe mit der Dekoration gemacht.“ Doch auch er wirkte verunsichert.
Langsam und quietschend öffnete sich die Gartenpforte. Die drei Freunde gingen auf die schwere Holztür zu und schlugen mit dem schweren Türklopfer gegen die Tür. Niemand öffnete. Erneut versuchten sie es, jedoch ohne Erfolg.
„Schaut mal!“ Hans warf einen Blick durch ein zersprungenes Fenster.
„Was meinst du?“, fragte Hugo.
Im Inneren des Hauses war alles verstaubt und mit Spinnenweben überzogen. Aus der Dunkelheit blitzte ihnen plötzlich eine Reflektion entgegen. Der Fensterrahmen war mit scharfen Kanten einer zersprungenen Fensterscheibe übersät. Ohne zu überlegen sprang Hans auf die Fensterbank.
„Was ist? Kommt ihr?“, fragte Hans.
Auch Fred sprang durch das Fenster. Langsam folgte Hugo ihm. Sie öffneten die Tür zu einem weiteren Raum und… bemerkten wie sich ein Schatten in der hinteren Ecke des Raumes bewegte. Wie angewurzelt blieben die drei Jungen stehen. Hugos Maske blinkte wie verrückt, doch am liebsten hätte er die leuchtenden Augen herausgerissen und zugemacht. Er wollte überall sein, nur nicht hier.
Plötzlich hörten sie ein Lachen. „Überraschung!“ Hugos Bruder sprang aus einem Hinterhalt hervor und lachte die drei Jungs aus. Er hatte ihnen einen fürchterlichen Streich gespielt. Sie waren froh, das er sie nur reingelegt hatte und sie liefen gemeinsam nach Hause.

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